Coolness

Wenn man Menschen begegnet, hat man immer sofort eine Einschätzung ihrer Wirkung. In meinen Seminaren machen wir manchmal die „Gunst der ersten Stunde“-Übung, bei dem sich Menschen, die sich gerade getroffen haben, ein Feedback geben und Hypothesen aufstellen, wie der oder die andere wohl ist, was er kann, wie sie wohnt, verheiratet oder nicht, welche Eigenschaften und Eigenarten jemand hat und welche Hobbys und Sportarten wohl betrieben werden. Es ist erstaunlich, wie nahe meist die Vermutungen an der Realität sind. Reiter.innen zum Beispiel werden oft erkannt, ohne dass sie ihr Hobby benennen.

Und was wir auch alle gut beobachten, ohne die Kriterien genau benennen zu können, ist der Coolness-Faktor einer Person. Ich bin sicher, Sie haben eine Vorstellung, wie jemand mit hohem Coolness-Faktor ist, aussieht oder agiert. Und nein, ich meine nicht die völlig überzogenen, selbstverliebten Dramaqueens und Kings. Wir wissen alle, dass Coolness subtiler wirkt, oder?

Gegoogelt lautet eine Definition: „Coolness ist ein intuitiv empfundener Ausdruck von Autonomie und Selbstbewusstsein, Gelassenheit und Unabhängigkeit.“ An anderer Stelle wird Coolness als Lässigkeit, Unbekümmertheit, Ungeniertheit oder Zwanglosigkeit beschrieben, die sich oft auch im äußeren Erscheinen zeigt. Die französische Entsprechung übrigens ist die Nonchalance.

Warum Coolness in der Führung unterschätzt wird

Vielleicht fragen Sie sich, was Coolness im Business zu suchen hat. Ich war jahrelang im Headhunting aktiv und habe Führungspositionen besetzt. Coolness im Auftreten spielt bei der Besetzung von Positionen eine große Rolle. Denn Führungskräfte sollten überzeugend auftreten können, und Überzeugung von anderen hat wesentlich etwas mit dem Coolness-Faktor zu tun. Dabei ist Coolness eine Mischung aus Auftreten (ja, auch Wirkung durch Äußerlichkeiten), Verhalten, Zugewandtheit, Aktivitätslevel, Habitus und Geschmeidigkeit im Kontakt. Coolness bei Führungskräften kommt ohne Sonnenbrille im Meetingraum oder Hipster-Vibes im Hoodie aus. Coolness umfasst auch die Fähigkeit, in unübersichtlichen, stressigen oder kritischen Situationen ruhig, klar und souverän zu bleiben – und gleichzeitig menschlich, nicht abgehoben und auch nicht unfreundlich. Wer cool ist, wirkt weder unbeteiligt noch gleichgültig, sondern strahlt so etwas aus wie „Ich habe das im Griff. Und selbst wenn nicht, dann bekommen wir es trotzdem gemeinsam ausreichend gut hin.“  Eine solche Haltung ist ansteckend. Teams und Mitarbeiter können sich gut mit solchen Charakteren identifizieren. Und künftige Chefs in der Rekrutierung auch.

Cool ist, wer Haltung zeigt – nicht Härte

Coolness wird gerne mal auf Äußerlichkeiten oder auch auf Distanziertheit, Abgebrühtheit und sich unbeteiligt geben reduziert. Viele verwechseln Coolness mit menschlicher Kälte. Dabei zeigt sich der echte Coolness-Faktor gerade dann, wenn’s unbequem in der Kommunikation, druckvoll, stressig, schwierig oder gar krisenhaft wird: Wer auf Augenhöhe bleibt, auch wenn der Druck steigt; wer Feedback gibt, ohne das Gegenüber an die Wand zu spielen; wer sich relativieren und über sich selbst lachen kann, anstatt ständig über andere zu richten; wer den Überblick bewahrt und im Unübersichtlichen handlungsfähig bleibt, während andere sich zurückziehen und wer kritische Gegenstimmen hört und ernst nimmt statt sie auszuschalten – das sind Erscheinungsformen von echter Führungscoolness. Und dies zieht meist eine andere Entwicklung nach sich: nämlich Nachahmer. Wenn sich diese Haltung in einem Unternehmen oder einer Abteilung durchsetzen darf, dann entwickelt sich Kultur. Dann trauen sich auch andere, genauso zu agieren.

Die Coolness-Formel

Was ist der Kern des Coolness-Faktors also? Hier ein Versuch, das Wesentliche als Formel zu sehen: Klare Haltung + Gelassenheit + Herz + Humor = so ist der Coolness-Faktor zusammengesetzt. In der Kommunikationspsychologie gibt es das Konzept der gelassenen Souveränität, das diesem Gedanke sehr nahekommt.

Führungskräfte mit echtem Coolness-Faktor schaffen Vertrauen ohne große Worte. Sie müssen nichts beweisen, weder sich selbst noch anderen, sie wirken einfach, das wissen sie und sie verlassen sich darauf bei gleichzeitiger Leistungsbereitschaft, gerade auch im Hinblick auf eigene Veränderung oder Anpassung. Coolness entwickelt sich, wenn Kompetenz auf gelassene Souveränität trifft und beides mit Herz und Augenzwinkern serviert wird.

Und Sie?

Wie steht’s mit Ihrem Coolness-Faktor? Vielleicht fragen Sie ja mal Ihre Kollegen. Oder Sie wagen bei Gelegenheit das „Gunst der ersten Stunde“-Spiel und diskutieren dabei den Coolness-Faktor mit Ihrem Team. Eines ist übrigens auch klar: Coolness lässt sich nicht spielen – aber sie lässt sich bewusst kultivieren.

Ein kleiner Nebenaspekt dabei ist nicht unwichtig: Wer cool führt, führt leichter. Und wer leichter führt, wirkt und bewirkt einfach mehr … das ist überzeugend cool. 😎Checken Sie doch mal, was Ihnen selbst dazu an Entwicklung, an Mindset oder auch an Hilfe und Unterstützung gut stehen würde, gerne auch im Gespräch mit Ihrem Coach.

Nutzen Sie Ihre Chancen, mit Coolness geht das nochmal besser!